Waldkalender - Der Wald im Frühling

Fast nirgendwo sonst in der Natur lassen sich die vier Jahreszeiten intensiver erleben als im Wald. Kälte und Stille im Winter, das pralle Leben im Sommer. Erfahren Sie in diesem Artikel mehr über den Wald im Frühling.

Waldkalender: Frühling im Wald

Endlich! Der Wald löst sich aus seiner Winterstarre. Selbst wenn noch Schnee den Boden bedeckt, können Sie schon die ersten Frühblüher entdecken. Das Schneeglöckchen ist die erste Blume, die schon im Januar der Kälte trotzt, Krokus und Huflattich folgen ihr im Februar. Aber Achtung: Schneeglöckchen und Krokus stehen unter Naturschutz!

Später erblühen Märzenbecher, Lerchensporn, Buschwindröschen. Sie alle profitieren von einem genialen Trick der Natur: Sie lagern in saftigen Zwiebeln und dicken Rhizomen Vorräte ein, geschützt im Boden überstehen sie so auch den kältesten Winter. Und die jungen Amseln, die im letzten Jahr geschlüpft sind, proben schon mal ihre ersten Frühlingslieder. Sie alle freuen sich über den Wald im Frühling.

Sie interessieren sich für einen bestimmten Monat aus unserem Waldkalender? Dann springen Sie doch einfach direkt dahin.

Waldkalender: Der Wald im März

Der Wald im März

Im März kommen im Wald die ersten Jungtiere zur Welt. Nachwuchs gibt’s zum Beispiel bei Familie Wildschwein. Nur ein paar Tage verbringen die Frischlinge mit ihrer Mutter in einem Nest, mit spätestens drei Wochen erkunden sie schon den Wald. Die ersten Zugvögel kehren zurück. Der Schwarzstorch etwa segelt aus seinem Winterquartier in Afrika wieder nach Deutschland. Auch erste Kriechtiere wie die Ringelnatter lassen sich blicken. Und die Marienkäfer wachen auf; den Winter haben die Käfer unter Baumrinden oder in Ritzen verbracht – zum Schutz vor dem Erfrieren haben sie ein Frostschutzmittel im Blut.

Übrigens: Am 21. März gibt’s für Waldeigentümer etwas zu feiern: Dann ist der „Tag des Waldes“, den die UN schon in den siebziger Jahren zum Schutz der Wälder ins Leben gerufen hat.

Was dem Wald im März guttut

Frühjahrspflanzung

Waldbestände werden oft im Frühjahr durch Pflanzungen von Setzlingen verjüngt. Das kostet zwar mehr als die natürliche Verjüngung durch die Samen von Altbäumen, bietet jedoch auch einige Vorteile. Sind zum Beispiel auf einer Waldfläche Baumarten vorhanden, die dort eigentlich nicht vorkommen und vom Menschen eingebracht wurden, so kann man mithilfe von Pflanzung langfristig die Baumart wechseln – und so einen Bestand in einen naturnahen Wald zurückverwandeln. Die positiven Folgen für den Wald: höhere Artenvielfalt, größere ökologische Stabilität, weniger Schädlingsbefall. Setzlinge überwinden auch schneller sogenannte Jugendgefahren wie den Verbiss von Wildtieren.

Ob Frühjahrspflanzung oder Herbstpflanzung – diese Entscheidung obliegt dem Waldeigentümer. Frostempfindliche Gehölze wie Esche oder Eiche sollten zum Beispiel im Frühjahr gesetzt werden. Was zu bedenken ist: Der Wasserbedarf der Pflanzen ist im Frühjahr höher als im Herbst, die Gefahr von Ausfällen aufgrund von Trockenheit somit größer.

Das Kiefernholz muss raus

Kiefernholz, das im Winter geerntet wurde, sollte schon Anfang März nicht mehr im Wald liegen. Warum? Der Große und der Kleine Waldgärtner schwärmen jetzt schon aus und brüten in der Kiefernborke. Der Name Waldgärtner kommt nicht von ungefähr: Der maximal 4,8 Millimeter kleine Rüsselkäfer frisst die jungen Triebe der Bäume hohl, so dass sie abfallen. Stark befallene Baumkronen sehen dann wie beschnitten aus – als wäre ein Gärtner am Werk gewesen. Lagern Kiefernstämme zu lange im Wald, kann es außerdem zu Blaufäule kommen. Dadurch verfärbt sich das Holz. Das mindert zwar nicht die Stabilität des Holzes, jedoch den Preis beim Verkauf.

Verkehrssicherungskontrolle

Jetzt ist die Zeit, noch einmal die Waldwege abzugehen. Stehen an ihren Rändern noch abgestorbene Bäume, hängen vom Wind angeschobene Bäume über dem Weg? Wenn das der Fall ist, sollten diese fachgerecht entfernt werden – allein schon wegen dem guten Gefühl für den Eigentümer, dass von seinem Wald keine Gefahr für Waldbesucher ausgeht

Schon gewusst?

Wenn die Wurzeln der Bäume im Frühling beginnen, Wasser bis in die letzte Spitze des höchsten Zweiges zu pumpen, dann kann man dieses Rauschen hören. Am besten geht das bei einer Birke. Man muss nur sein Ohr an den Stamm halten.

Bauernregel:

Soviel Nebeltage im März, soviel Frosttage im Mai.

Waldkalender: Der Wald im April

Der Wald im April

Bäume wie die Douglasie, die Eibe, die Fichte oder die Lärche fangen an zu blühen. Auf dem Boden tun es ihnen Scharbockskraut, Taubnessel oder Ehrenpreis nach, auch Walderdbeere und Waldmeister. Die Lurche laichen, die Nachtigall kommt zusammen mit einigen anderen Arten aus dem Süden zurück. Und in den Baummarder-Familien kommen drei bis fünf Junge zur Welt. Erstaunlich: Schon nach drei Monaten ist der Nachwuchs selbstständig. Der Igel beendet im April seinen fast ein halbes Jahr dauernden Winterschlaf und die Wildschweine streifen mit ihren Frischlingen umher.

Was dem Wald im April guttut

Vorsorge gegen Schädlingsbefall

Ab April bis August schwärmen die meisten Forstschädlinge. Bis Ende des Monats sollte darum liegendes Holz aus dem Wald abtransportiert oder so klein geschnitten sein, dass es den Boden berührt und feucht bleibt – Forstschädlinge brüten bevorzugt in trockenem Holz. Gearbeitet wird hier aber im Sinne des Naturschutzes: Das Ökosystem Wald ist auf Totholz am Boden angewiesen, da es Lebensraum für eine hohe Zahl seltener Insekten- und Pilzarten bietet. Außerdem verbessert abgestorbenes Holz die Bodenqualität und erhöht die Artenvielfalt. Es wird also niemals alles Totholz aus dem Wald geholt.

Instandsetzungsmaßnahmen (bis August)

Im April startet das zügige Wiederherstellen von Wegen, die von der Holzernte in Mitleidenschaft gezogen wurden. Sind die Wege instandgesetzt, freuen sich die Waldbesucher. Ebenso beginnt der Zaunbau – sofern eine Frühjahrspflanzung stattgefunden hat. Ein Zaun ist nur dann erforderlich, wenn es zu viel Wild auf der Waldfläche gibt und es zu teuer ist, Setzlinge einzeln zu schützen. Eine ganze Kultur einzuzäunen hat allerdings auch einen Nachteil: Der sogenannte Verbissdruck auf den angrenzenden Flächen erhöht sich, hungrige Pflanzenfresser weichen also auf andere Stellen im Wald aus.

Kulturpflege (Ende April bis Anfang September)

In einem bewirtschafteten Wald gibt es auch unerwünschte Pflanzen, vor allem wenn Freiflächen neu bepflanzt werden. Dann sind es hauptsächlich Gräser, die den noch jungen Bäumen Licht, Wasser und Nährstoffe streitig machen. Werden sie entfernt, spricht man von Begleitwuchsregulierung. Auch besonders schlecht veranlagte Bäume sollten entfernt werden – die sogenannte Negativauslese. Baumarten, die seltener auf der Fläche vorkommen, wie zum Beispiel eine heranwachsenden Eiche in einem Kiefernwald, sollten gefördert werden. Experten nennen das Mischungsregulierung. Die Kulturpflege findet in Beständen statt, die eine Höhe von ein bis zwei Metern aufweisen.

Achtung, Borkenkäfer! (auch im Mai)

Waldeigentümer begeben sich jetzt auf Suche – der Borkenkäfer ist die größte Gefahr für Nadelbäume. Dafür braucht es einen geschulten Blick: Ist Bohrmehl am Stamm und auf den Ausläufern der Wurzeln zu sehen? Harzen die Bäume verstärkt, weil sie sich gegen den Eindringling wehren? Auch schüttere oder vergilbte Baumkronen und grüne Nadeln am Waldboden können ein Indiz für Schädlingsbefall sein. Befallene Bäume sollten schnellstmöglich gefällt, aus dem Wald entfernt werden. Oder man entrindet sie: Sind nur Larven vorhanden, vertrocknen sie nach dem Entrinden. Haben sich jedoch schon Jungkäfer entwickelt, muss die Rinde gehäckselt oder verbrannt werden. Wichtig dabei ist, sehr auf die notwendigen Brandschutzmaßnahmen zu achten!

Schon gewusst?

Igel verlieren im Winterschlaf bis zu 30 Prozent ihres Körpergewichts. Kein Wunder, dass sie im Frühling so wuselig und hungrig sind.

Jetzt beginnt auch die Brutzeit der Vögel. Amseln, der Eichelhäher, der Buchfink und viele weitere Vögel sollten dabei möglichst nicht gestört werden. Eine besondere Nistmethode hat der Kleiber entwickelt: Der kleine, unscheinbare Vogel verklebt den Eingang einer Baumhöhle oder eines Nistkastens mit allem, was er im Wald finden kann, bis die Öffnung nur noch so groß ist, dass er gerade noch in den Kasten rein und wieder hinaus kommt.

Bauernregel:

April windig und trocken macht alles Wachstum stocken.

Waldkalender: Der Wald im Mai

Der Wald im Mai

In Uferwäldern mit Baumbestand bringt jetzt der Biber drei bis vier Junge zur Welt, die mit zwei Jahren selbstständig werden. Der Dammbauer lebt übrigens treu in einer Partnerschaft. Im Mai finden sich auch die Ringelnattern zu Knäulen zusammen. Finden sich ein Weibchen und ein Männchen, so paaren sie sich. Wildschweine werfen jetzt bis zu 12 Frischlinge, die sie drei Monate säugen. Und die vom Vorjahr tragenden Ricken bringen ihre Rehkitze zur Welt, Setzzeit nennt der Förster das. Waldbesucher sollten daher auf den Waldwegen bleiben und das Wild nicht stören. Ein Kitz bitte in keinem Fall anfassen, so schwer es auch fallen mag! Wenn es den Geruch von Menschen trägt, kann es sein, dass seine Mutter es verstößt.

Was dem Wald im Mai guttut

Trockenastung

In diesem Monat steht die sogenannte Trockenastung von Nadelbäumen an: Abgestorbene Äste, die noch nicht dicker als drei Zentimeter sein sollten, werden bis zu einer Höhe von vier Metern bündig am Stamm abgesägt – denn dieser Bereich des Stammes ist am wertvollsten. Der Grund für die Astung: Nadelbäume sind Totasterhalter, ihre abgestorbenen Äste fallen nicht von alleine ab. Korrekt durchgeführt, erhöht die Trockenastung den Holzwert. Astfreiheit stellt ein wichtiges Kriterium bei der Holzsortierung dar – je weniger Äste, desto höher fällt in der Regel der Wert eines Stammes aus.
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Mähen von Waldwiesen

Wiesen sind ein äußerst wertvolles Biotop. Nicht nur Insekten, sondern auch Reptilien sind hier zuhause, Gräser und auch seltene Blühpflanzen prägen lichte Waldwiesen. Dem Wild dienen sie als Futterplatz – Förster nennen das Äsungsfläche – und zur Deckung, falls das Gras hoch genug steht. Waldwiesen müssen gepflegt und erhalten werden. Dafür mäht man sie zweimal im Jahr, jeweils im Mai und September. Wichtig ist darauf zu achten, dass die Wiesen nicht von Pionierbaumarten besiedelt werden – das sind Baumarten, die als erstes auf einer Freifläche anwachsen. Sonst wird aus der artenreichen Wiese schnell ein Sukzessionswald, wie das sehr frühe Stadium eines jungen Waldes auf ehemaligen Freiflächen genannt wird.

Schon gewusst?

Die Wildkräuter im Wald schmecken nicht nur gut, sie liefern auch wichtige Nährstoffe. Eine Brennnesselsuppe zum Beispiel enthält besonders viel Vitamin C, Eisen und Eiweiß. Auch die jungen, herzförmigen Blätter von Linden sind im rohen Zustand sehr schmackhaft. Im Mai kann man auch die hellgrünen Fichtentriebe – auch Mai-Wipferl genannt – sammeln. Sie können in Honig eingelegt und zu Hustensaft verarbeitet werden, auch Tee lässt sich daraus herstellen.

Bauernregel:

Im Mai ein warmer Regen bedeutet Früchtesegen.

 

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