Totholz im Wald

Totes Holz ist in Ihrem Wald als Lebensraum für zahlreiche Lebewesen und Nährstofflieferant für den Boden wichtig. Es speichert außerdem viel Feuchtigkeit und wirkt somit kühlend an heißen Sommertagen. In diesem Artikel erfahren Sie mehr über die nützlichen Eigenschaften von Totholz und wie Sie es erhalten können.

Totholz mit zahlreichen Spechthöhlen

Eine einfache und effektive Maßnahme, um aktiv Naturschutz zu betreiben, ist der Erhalt von Totholz. Sollten Sie in ihrem Wald einen toten oder absterbenden Baum entdecken, der vielleicht sogar schon Spechthöhlen aufweist, dann sollten Sie diesen Baum möglichst erhalten. Bedenken Sie dabei aber unbedingt den Sicherheitsaspekt: Tote Bäume, insbesondere am Wegesrand, können eine Gefahr für Spaziergänger oder andere Verkehrsteilnehmer darstellen.

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Totholz ist wichtig für viele Tiere des Waldes

Tote oder absterbende Bäume haben einen besonderen Wert für das Ökosystem Wald. Die ersten Organismen, die einen geschwächten Baum befallen, sind meist Pilze oder Insekten. Sie zersetzen das Holz und das Laub und öffnen vielen anderen Tieren und Pilzen dadurch „Tür und Tor“ zum Schlaraffenland. Der tote Baum dient als Nahrungsquelle, Lebensraum und Brutstätte zugleich. Und wo Insekten sind, da sind auch Vögel, die sich über das große Nahrungsangebot freuen. Spechte klopfen die Rinde ab und schlagen kleinere Löcher in das Holz, um an Insektenlarven im Inneren zu gelangen. Außerdem bauen sie im Totholz die bekannten Spechthöhlen, um ihren Nachwuchs aufzuziehen.

Drosseln und Schnäpper nutzen die dadurch entstandenen Höhlen ebenfalls als Nistplatz. Dem Siebenschläfer wiederum können die vorgefertigten Höhlen als optimales Quartier für seinen Winterschlaf dienen. Zusätzlich profitieren andere Säugetiere von dem reich gedeckten Tisch eines abgestorbenen Baumes. Fledermäuse fangen in der Dämmerung fliegende Insekten und auch Wildschweine und Dachse verschmähen dicke Käfer oder ihre Larven nicht. Die Artenvielfalt, die durch Totholz entstehen kann, ist beeindruckend.

Pilze an einem verrottenden Baumstumpf - Totholz im Wald
Auch Pilzen bietet verrottendes Holz einen wichtigen Lebensraum.

Totholz verbessert den Waldboden

Auch der Wald an sich benötigt Totholz und anderes organisches Material. Denn Bäume entziehen dem Waldboden Nährstoffe, die sie für ihr Wachstum brauchen. Umso wichtiger ist es, dem Boden auch wieder Nährstoffe zurückzugeben. In Blättern, Nadeln und Rinde sind besonders viele Nährstoffe vorhanden.

Ein nährstoffreicher Boden ist positiv für Ihren Wald, denn dieser bietet Bäumen gute Wuchsbedingungen. Zudem beherbergt ein nährstoffreicher Boden deutlich mehr Mikroorganismen, die das organische Material schneller zersetzen und den Boden zusätzlich durchlüften und auflockern. Dadurch kann der Waldboden mehr Wasser aufnehmen und speichern. Die Konkurrenz um Wasser und Nährstoffe zwischen den Pflanzen ist geringer, die Bäume wachsen schneller und sind letztlich weniger anfällig für Schäden. Lassen Sie daher Baumkronen und abgestorbene Bäume im Wald vermodern und entfernen Sie möglichst wenig totes Holz im Rahmen von Waldpflege- und Erntemaßnahmen.

Totholz und Habitatbäume sollten bewahrt werden

Tote Bäume mit Spechthöhlen und anderen Sonderstrukturen sollten Sie auswählen, markieren und so dauerhaft bewahren. Idealerweise sollte die Wahl dabei auf Bäume fallen, welche ohnehin bereits Schäden aufweisen oder im Sinne einer Holznutzung schlecht veranlagt sind. Dies sind beispielsweise Bäume mit zwei stark ausgeprägten Hauptstämmen oder Bäume mit sehr vielen tief liegenden und groben Seitenästen, Rindenschäden oder anderen Unregelmäßigkeiten. Für den Naturschutz sind es dafür häufig gerade derart unregelmäßig geformte Bäume, die überaus wertvoll sind. In einigen Bundesländern existieren auch Förderprogramme für den Erhalt alter Einzelbäume.

Im Rahmen des späteren Holzverkaufs sind solche Habitatbäume dagegen meist nicht viel wert. Dieser Umstand bietet den großen Vorteil für Sie als Waldeigentümer, dass Sie nicht in Zielkonflikte geraten. Sie können so sinnvollen Naturschutz und Wertholzproduktion auf ein und derselben Fläche gleichzeitig betreiben – ein ökologisch sowie ökonomisch nachhaltiges Wirtschaften ist somit problemlos möglich.

Fraßspuren von Borkenkäfern
Achten Sie darauf, welche Lebewesen die absterbenden Bäume bevölkern. Fraßspuren von Borkenkäfern zeigen, dass schneller Handlungsbedarf besteht, um einer Massenvermehrung vorzubeugen. Bei ausgeprägtem Fraß kann es oft schon zu spät sein und umliegende Bäume sollten ebenfalls kontrolliert werden.

Aufgepasst, Schädlinge!

Ein weiterer Aspekt, der beim Thema Totholz bedacht werden sollte, sind Schädlinge. Gerade geschwächte Bäume bieten während sie absterben häufig einen hervorragenden Lebensraum für potentiell schädliche Insekten. Deshalb sollten Sie geschwächte und absterbende Bäume und solche, die in ihrer unmittelbaren Nähe stehen, im Auge behalten, um die Vermehrung solcher Insekten früh zu erkennen. So müssen absterbende Fichten häufig frühzeitig gefällt werden, um eine Massenvermehrung der gefürchteten Borkenkäfer zu vermeiden. Denn eine solche Massenvermehrung schadet nicht nur Ihrem Wald, sondern bedroht meist in Folge auch umliegende Wälder. Ist ein Baum erst einmal völlig abgestorben, ist er in Bezug auf die meisten schädlichen Insekten unbedenklich, weil diese eben häufig auf das Befallen und gegebenenfalls Abtöten geschwächter aber lebender Bäume spezialisiert sind.

 

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