Was ist eigentlich Waldbau?

Der Waldbau beschäftigt sich mit der allgemeinen Bewirtschaftung und konkreten Pflegemaßnahmen im Wald sowie deren Auswirkungen. Sie können waldbauliche Maßnahmen als Werkzeuge verstehen, um Ihre Ziele im Wald zu verwirklichen. Ein Grundprinzip des Waldbaus ist, den Einfall des Sonnenlichts gekonnt zu steuern, sodass der Wald bestmöglich wachsen kann.

Nadelwald und Mischwald direkt nebeneinander - Waldbau

Der Waldbau befasst sich mit Maßnahmen der Pflege und Bewirtschaftung von Wäldern und ihren Auswirkungen auf Wachstum, Stabilität und andere Eigenschaften des Waldes. In einer geregelten Forstwirtschaft werden nicht einfach nur Bäume gefällt, um Holz zu gewinnen. Hinter jeder Holzernte und anderen Maßnahmen stehen gezielte Überlegungen, welche Auswirkungen diese auf den Wald haben. So können deutlich mehr Aspekte beachtet und mehr Ziele gleichzeitig verfolgt werden, wenn die Bewirtschaftung auf einer soliden waldbaulichen Grundlage beruht.

Im Folgenden stellen wir Ihnen einige der wichtigsten waldbaulichen Maßnahmen vor, geordnet nach der zeitlichen Reihenfolge, in der sie in einem bewirtschafteten Wald für gewöhnlich angewendet werden.

Dabei folgen die Maßnahmen in erster Linie der natürlichen Entwicklung der Bäume mit zunehmendem Alter. Zu dieser natürlichen Entwicklung gehört auch, dass sie größer werden. Je größer die Bäume werden, desto weniger von ihnen haben Platz auf einer Fläche. Deshalb gehört es auch zur natürlichen Entwicklung eines Waldes, dass stetig Bäume weichen. Ziel der meisten Waldbaukonzepte ist es, die Bäume bei diesem Alterungsprozess zu begleiten, vor altersspezifischen Risiken zu schützen und dabei gesunde und qualitativ hochwertige Bäume zu fördern, indem kranke und schlecht gewachsene Bäume entnommen werden.

Die Verjüngung

Am Anfang eines jeden Waldes steht das Etablieren junger Bäume. Der Förster spricht von “Verjüngung” oder “Bestandesbegründung”. Dabei gibt es verschiedene Möglichkeiten einen Wald zu verjüngen. Eine bevorzugte Vorgehensweise ist die “Naturverjüngung”. Dabei werden die Samen der vorhandenen Bäume genutzt, die ohne menschliches Zutun auf den Waldboden fallen und keimen. Abhängig von der Ausgangssituation kann es aber auch sinnvoller sein, selbst von Hand junge Bäume zu pflanzen oder zu säen. Dies nennt man “künstliche Verjüngung”. Sie kann beispielsweise notwendig werden, wenn nicht genügend Altbäume auf der Fläche vorhanden sind oder ein Wechsel der Baumart erfolgen soll. Kombinationen aus Naturverjüngung und künstlicher Verjüngung sind in der Praxis ebenfalls üblich.

Ein Fichtenwald mit Naturverjüngung - Waldbau
Naturverjüngung stellt sich ohne menschliches Zutun ein und sollte angenommen und gefördert werden.
© Bart Zimny

Neben Trockenheit und Frost ist die größte Gefahr für die jungen Bäume, von den Tieren des Waldes gefressen zu werden. Knospen und Blätter sind besonders bei Rehen beliebt. Diese können die jungen Bäume massiv schädigen – bis hin zu deren Absterben. Bei solchen Schäden spricht man von “Verbiss”. Oft wird deshalb ein Zaun um den verjüngten Wald gesetzt, der die jungen Bäume solange vor Verbiss schützt, bis sie groß genug geworden sind. Mehr zur Problematik der Wildschäden im Wald erfahren Sie in den Artikeln Wildschäden im Wald und Wildschäden im Wald vermeiden.

Kulturpflege

Sind die Samen gekeimt oder die gepflanzten Bäume gut angewachsen, spricht der Förster auch von einer “Kultur”. Die wichtigsten Maßnahmen in dieser Zeit werden unter dem Begriff “Kulturpflege” zusammengefasst. Ziel der Kulturpflege ist es, die jungen Bäume vor intensiver Konkurrenz durch andere Pflanzen zu bewahren. Denn die Pflanzen konkurrieren im Wald um Licht, Wasser und Raum zum wachsen. Besonders wenn sie von dichtem Gras oder von Sträuchern wie der Brombeere überwachsen werden, sind junge Bäume in Gefahr. Aber auch die Konkurrenz anderer Bäume kann sie bedrohen. Deshalb wird im Rahmen der Kulturpflege die Konkurrenz durch andere Pflanzen reduziert, indem zum Beispiel mit einem Freischneider – einer motorisierten Sense – rings um die jungen Bäume gemäht oder Brombeerranken und unerwünschte Bäume entfernt werden.

Jungwuchspflege

Sind die Bäume so hoch gewachsen, dass Gräser oder Sträucher wie die Brombeere sie nicht mehr überwachsen können und auch wilde Tiere ihre obersten Triebe nicht mehr abbeißen können, beginnt meist eine Auswahl der Bäume nach ihrer Qualität. Dann spricht der Förster von “Jungwuchspflege” oder “Läuterung”. Dabei werden besonders schlecht gewachsene oder kranke Bäume entfernt. Vor allem kranke Bäume oder Bäume mit groben Ästen, mit krummen Stämmen oder solche, deren Stamm sich nah am Boden in mehrere neue Stämme teilt, werden dabei entnommen. Außerdem kann man in dieser Phase gut die Mischung unterschiedlicher Baumarten steuern. So können Sie, je nach Vorkommen, seltenes Wildobst wie die Wildbirne, Nussbäume oder die Vogelkirsche fördern oder besonders häufig auftretende Baumarten wie beispielsweise Pappeln und Weiden in ihrer Zahl reduzieren.

Nadelwald mit Naturverjüngung - Waldbau
Hat die Naturverjüngung von Nadelbäumen eine gewisse Höhe erreicht, wird die Baumanzahl reduziert, um qualitativ gute Bäume zu fördern und eine erste Struktur aufzubauen.
© Photo von Sleep Musik

Bestandespflege

Werden die Bäume dick genug, um das erste Holz zu ernten, ist die nächste Phase erreicht. Hier spricht der Förster von der “Bestandespflege” oder “Waldpflege”. Dabei steht im Vordergrund, das Wachstum gesunder, qualitativ besonders hochwertiger Bäume zu fördern und den Wald gegenüber schädlichen Einflüssen wie zum Beispiel extremen Wetterereignissen zu stabilisieren.

Viele Insekten und Pilze ebenso wie Sturm oder andere extreme Wetterereignisse schädigen Bäume oft erst ab einem gewissen Alter oder einer gewissen Größe. Durch eine gezielte Entnahme schlecht veranlagter oder kranker Bäume werden höherwertige und gesunde Bäume gefördert, die den zuvor benannten Risiken dann besser widerstehen können. Außerdem steigt der finanzielle Wert des Waldes, weil die ausgewählten Bäume so schneller wachsen können als zuvor.

Endnutzung und Verjüngung – der Kreis schließt sich

Am Ende einer Waldgeneration steht im bewirtschafteten Wald die Nutzung der besten Bäume. Hat man zuvor alles für die Förderung hochwertiger Bäume getan, werden diese nun geerntet und verkauft. Hierbei erzeugen die meisten Wälder den größten finanziellen Erlös. Dabei kann man natürlich je nach Vorliebe außergewöhnliche Bäume erhalten und damit der Natur oder dem eigenen ästhetischen Empfinden etwas Gutes tun. Bäume mit Spechtlöchern sollten wegen ihres ökologischen Wertes übrigens stets im Wald belassen werden.

Früher wurden Wälder bei uns in dieser Phase meist komplett gefällt (der sogenannte “Kahlschlag”) und dann wieder bepflanzt. Dabei ist besonders problematisch, dass der Wald zeitweilig komplett aufgelöst wurde. Der Boden veränderte sich und war so auch durch das Wetter angreifbar. Erosion durch Wind, Regen und auf steilen Hängen auch Erdrutsche waren die Folge. Die neu gepflanzten Bäume, sowie andere Pflanzen und Tiere verloren den Schutz des Waldes. Tatsächlich sind Kahlschläge in Deutschland heute ab einer gewissen Flächengröße verboten.

Der Kahlschlag hat nicht umsonst einen schlechten Ruf - zum Glück gibt es gute Alternativen - Waldbau
Der Kahlschlag hat nicht umsonst einen schlechten Ruf - zum Glück gibt es gute Alternativen.

Alternativ zum Kahlschlag werden heutzutage über die letzten Jahrzehnte einer Waldgeneration neue Bäume etabliert und die alten Bäume langsam Stück für Stück gefällt. So können die jungen Bäume im Schutz der alten, eine neue Generation bilden. Außerdem bleibt der Wald an sich durchgehend erhalten und negative Folgen von Kahlschlägen für den Boden und die Lebewesen werden verhindert. Lange vor jeder Erntemaßnahme in alten Waldbeständen sollte also bereits bedacht werden, wie die nächste Waldgeneration entstehen soll.

Sie benötigen eine Waldbauberatung? Den passenden Ansprechpartner finden Sie auf unserem Waldmarktplatz.

 

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