Unbeliebte Promis - Borkenkäfer im deutschen Fichtenwald

Die Fichte ist die häufigste Baumart in Deutschland und hat gerade in Monokulturen unter Massenvermehrungen durch den Borkenkäfer zu leiden. Wie zwei der bekanntesten Borkenkäferarten Fichten befallen und wie Sie Ihren Wald davor schützen können, erfahren Sie in diesem Artikel.

Borkenkäfer an der Fichte

Die zwei bekanntesten Fichten-Borkenkäferarten

Der Sommer 2018 war sehr lang, sehr trocken und sehr heiß: gute Bedingungen für Borkenkäfer, die viele Bäume und ganze Waldflächen angegriffen und ihnen zugesetzt haben.

Gerade reine Fichtenwälder auf ungeeigneten Standorten haben unter diesen Bedingungen schlechte Chancen gegen zwei Arten der bekannten kleinen Käfer. Monokulturen begünstigen einen starken Befall sogar.

Dem sogenannten Buchdrucker schmeckt die Fichte mindestens genauso gut wie seinem kleineren Verwandten, dem Kupferstecher. Beide Namen leiten sich von den charakteristischen Fraßbildern der Larven ab, denn die Fichten dienen den Borkenkäfern zur Aufzucht ihrer Brut.

Die Käfer legen ihre Brut- und Fraßgänge unter der Rinde der Bäume an und beschädigen den sogenannten Bast. Dieser ist eine lebensnotwendige Leitungsbahn für in Wasser gelöste Nährstoffe innerhalb der Bäume. Wird dieses Gewebe stark beschädigt, sind die Bäume nicht mehr lebensfähig und sterben ab.

Während der Buchdrucker vorwiegend den unteren Stammteil eines Fichtenbaumes befällt, ist der Kupferstecher eher am oberen Teil des Baumes oder an jungen Bäumen interessiert. Dort findet er dünnere Rinde für seine Brut. Das macht die beiden Borkenkäfer für die Forstwirtschaft zu unbeliebten Waldbewohnern. Trotz allem sind sie genauso Bestandteil des Ökosystems Wald, mit dem jeder Waldeigentümer umgehen muss. Vielmehr sind sind es nur zwei Arten von über 150 in Europa bekannten Borkenkäfern. Es ist bekannt, dass viele von ihnen auch vor Ländergrenzen keinen Halt machen. So ist es nicht verwunderlich, dass immer wieder auch neue Arten auf unterschiedlichen Wegen unsere deutschen Wälder erreichen.

 

Befallsverlauf

Die Käfer werden ab einer Temperatur von etwa 16°C aktiv und suchen ab April gezielt Bäume, in die sie sich einbohren können. Starke, vitale Bäume können Angriffen weniger Käfer vorerst widerstehen, da sie durch einsetzenden Harzfluss, den Käfer wieder ausstoßen.

Sind jedoch die Lebensbedingungen des Baumes nicht ideal, zum Beispiel durch ungewöhnlich heißes Wetter oder aufgrund des falschen Standortes, steht der Baum unter Stress. Er ist geschwächt und kann den Käfern nicht mehr stand halten. Fallen aufgrund von starken Stürmen ganze Bäume, bieten diese zusätzlich günstige Bedingungen für eine starke Ausbreitung der Käfer. Bei Massenaufkommen ist es für die Käfer kein Problem mehr, sich auch in gesunde und stabile Bäume einzubohren, da der Baum auf derart viele Käfer nicht mehr reagieren kann.

Im natürlichen Waldgefüge sorgen die Käfer dafür, Platz für junge Bäume zu schaffen, indem sie einzelne schwache oder umgestürzte Bäume zum Absterben bringen und dadurch wieder Licht bis zum Boden durchdringen kann. Steht ihnen jedoch ein gedeckter Tisch durch Monokulturen der Fichte bereit, kann es zu extremen Schäden an gesunden Fichten und ganzen Wäldern kommen, dem sogenannten Stehendbefall.




Der erste Käfer am Baum untersucht zunächst seine Umgebung. Sobald er sich mit seinem angeflogenen Baum sicher ist und er eine kleine Kostprobe genommen hat, lenkt er andere Käfer mit Hilfe von bestimmten Pheromonen und den baumeigenen Düften zu sich. Zusammen wird der Baum befallen und die Käfer bohren sich unter die Rinde des Baumes.

Unter der Rinde legen die Männchen für jedes Weibchen eine sogenannte Rammelkammer an, die zur Paarung dient. Die Eier werden dann in Seitengängen abgelegt. Aus ihnen entwickeln sich die Larven, die weitere Fraßgänge anlegen und zu Käfern heranwachsen. So entsteht das charakteristische Muster der Bohrgänge unter der Rinde der Fichte.

Die ausgewachsenen, jungen Käfer bohren sich aus der Rinde in die Freiheit. Und befallen als nächste Generation weitere umstehende Bäume. So können sich unter günstigen Bedingungen wie im Sommer 2018 bis zu drei Generationen entwickeln. Sind Bäume voll besiedelt und für weitere Käfer nicht mehr attraktiv, wird dies den Artgenossen ebenfalls durch Aussenden von Pheromonen mitgeteilt.

Vorsicht ist auch im folgenden Jahr geboten: Borkenkäfer überwintern in jedem Entwicklungsstadium unter der Rinde. Einzelne Tiere vergraben sich auch im Boden und lassen den Frost über sich hinwegziehen.

Borkenkäfer an Fichte - Fraßbild
Charakteristische Fraßbilder geben den beiden bekanntesten Borkenkäfern in deutschen Wäldern ihre Namen.

Schutzstrategien und Management bei Befall durch Borkenkäfer

Bäume sollten zur Schwärmzeit der Käfer regelmäßig kontrolliert werden. Finden sich kleine Bohrlöcher im Stamm oder sogar braunes Bohrmehl um Löcher und am Fuß des Stammes, sollte schnellstmöglich gehandelt werden. Fragen Sie auch Ihren Forstexperten nach Hilfe beim Erkennen der Merkmale und kontrollieren Sie zusammen mit ihm Ihre Bäume.

Einmal befallene Bäume sollten aus dem Wald geschafft werden, um das Ausfliegen der nächsten Generation und einen Folgebefall an anderen Bäumen zu verhindern.

Die oben genannte Kontrolle bietet sich leider nur an, um den Buchdrucker an älteren Bäumen auszumachen. Den Kupferstecher wird man in der Höhe oft nicht frühzeitig erkennen können. Hier äußert sich der Befall lediglich in der Verfärbung der Kronen.

Bevor die Käfer sich vermehren können, müssen die Stämme gefällt werden und die Situation durch Entrinden der Bäume, den Einsatz von Insektiziden oder eine Lagerung außerhalb des Waldes entschärft werden. Zusätzlich sollten durch Sturm gefallene Bäume rechtzeitig entfernt werden, um die Vermehrung der Käfer nicht zu begünstigen.

Unter dem Begriff “saubere Waldwirtschaft” finden diese Maßnahmen in ganz Deutschland statt.




Grundsätzlich gilt: Angegriffene Stämme ohne eine direkte Behandlung sollten mindestens 500 Meter vom Waldrand entfernt gelagert werden. Eine schnelle Abfuhr und ein direkter Verkauf sind jedoch in jedem Fall vorzuziehen. Achten Sie beim Befall durch den Kupferstecher darauf, Kronenreste nicht im Wald liegen zu lassen, da sie weiteres Brutmaterial für den Käfer bieten. Mulchen oder häckseln Sie die Kronen.

Hin und wieder kommt es vor, dass ganze “Käfernester” entdeckt werden. Hier sind viele Bäume innerhalb eines Radius schon vom Borkenkäfer befallen oder diese sogar schon ausgeflogen. Sollte der Käfer noch auszumachen sein, gilt sofortiger Handlungsbedarf. Von abgestorbenen Bäume mit abgefallener Rinde geht jedoch keine Gefahr mehr aus. Je nach Alter des ehemaligen Befalles, ist auch das Holz nicht mehr für den Verkauf geeignet. Hier kann es durchaus ratsam sein, die Bäume einfach der Natur zu überlassen. Viele Arten finden im Totholz ihren Lebensraum und bereichern somit das Ökosystem Wald. Darunter auch natürliche Feinde des Buchdruckers und Kupferstechers.

Sprechen Sie jedoch jeden Fund von “Käferbäumen” mit Ihrem Forstexperten ab und entscheiden Sie gemeinsam, wie Sie mit den aufgefundenen Bäumen verfahren.

Einsatz von Insektiziden bei Borkenkäferbefall

Greift keine der genannten Maßnahmen, kann das gefällte Holz mit Insektiziden behandeln werden. Diese Maßnahme wird von Experten durchgeführt, die im Besitz eines Sachkundenachweises für Pflanzenschutz sind. Der Anwender ist den Mitteln bei der Benutzung jedoch ebenfalls ausgesetzt, was oft zu erschwerten Arbeitsabläufen führt. Außerdem belasten die giftigen Stoffe die Umwelt.

Es gibt inzwischen aber auch moderne Lösungen, die wesentlich weniger Arbeitsaufwand benötigen und sicherer für den Anwender sind. Etwa spezielle mit einem Wirkstoff versehene Netze. Über die Stämme gelegt halten sie die ausfliegenden Käfer davon ab, auf anliegende Waldflächen überzugreifen.

Borkenkäfer an Fichte - Waldumbau
Vor allem geschwächte reine Fichtenwälder sind eine Einladung für den Borkenkäfer. Mit gezieltem Waldumbau hin zu einem Mischwald streuen Sie Ihr Risiko.

Waldumbau – Schutz gegen den Borkenkäfer

Mit Hinblick auf den Klimawandel werden mögliche Schutzstrategien unserer Wälder immer wichtiger. Experten gehen davon aus, dass es in Zukunft neben einer generellen Erwärmung häufig zu Extremwetterereignissen kommen wird. Trockenperioden und starke Unwetter werden unseren Wäldern zusetzen und gleichzeitig den Befall von Borkenkäfern begünstigen.

Um Wälder schon heute resistenter gegenüber Borkenkäfern und anderen Schädlingen zu machen, ist es wichtig künftig von Monokulturen abzusehen. Eine gesunde Mischung aus Laub- und Nadelbäumen hat das Potenzial, Massenvermehrungen des Borkenkäfers entgegenzuwirken und Wälder in ihrer Gesamtheit zu stabilisieren.

Durch die Vielfalt der Baumarten haben schädliche Käfer, die sich auf wenige Baumarten spezialisiert haben, nur noch eine geringe Chance sich derart zu vermehren. Der Wald wird stabiler und trotzt Stürmen wesentlich besser. Fragen Sie Ihren Forstexperten, der Ihnen beim Umbau Ihres Waldes hilfreich zur Seite steht.

 

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