Wildschaden vermeiden

Eine unnatürlich hohe Zahl an Wildtieren kann sowohl wirtschaftliche als auch ökologische Schäden im Wald verursachen und dabei auch Ihre Gestaltungsmöglichkeiten als Waldeigentümer erheblich einschränken. Dieser Artikel behandelt einige Möglichkeiten, wie Sie Wildschaden vermeiden oder ihn zumindest in Grenzen halten können.

Wildlebende Säugetiere sind ein wichtiger Bestandteil unserer Natur. Doch sie können im Wald auch Schäden verursachen - Wildschäden vermeiden

In unserem Artikel Wildschäden im Wald gehen wir ausführlich darauf ein, welche Schäden Wildtiere im Wald verursachen können, wenn sie in zu hoher Zahl auftreten. In diesem Artikel geht es dagegen um mögliche Maßnahmen, mit denen solche Schäden abgewendet werden können.

Wenn Sie Wildschaden vermeiden oder ihn zumindest reduzieren möchten, stehen Ihnen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung:

Flächenschutz gegen Wildschaden

Flächenschutz meint das Umzäunen einer Waldfläche um Wildschaden zu vermeiden. Die Zäune im Wald müssen regelmäßig kontrolliert werden. Denn sobald ein Baum auf den Zaun fällt, finden die Rehe den neuen Zugang häufig innerhalb kürzester Zeit und “verbeißen” die jungen Bäume auf der ehemals umzäunten Fläche.

Der Zaunbau ist mit Kosten verbunden. Planen Sie Waldumbaumaßnahmen können Sie jedoch Fördermittel für den Zaunbau beantragen. Beim Waldumbau geht es darum, künstlich angelegte Nadelwälder in naturnahe Mischwälder umzuwandeln. Konkret heißt das meistens, dass Laubbäume unter die Nadelbäume gepflanzt und über die folgenden Jahrzehnte hinweg gefördert werden. Dienstleister für die Fördermittelberatung und den Zaunbau finden Sie auf dem Waldmarktplatz.

Einen Experten für Fördermittelberatung finden Sie auf dem Waldmarktplatz

Einzelbaumschutz

Um einzelne Bäume zu schützen, gibt es neben den sogenannten Drahthosen, die wie ein kleiner Zaun um einzelne Bäume aufgestellt werden, auch zahlreiche weitere Varianten von mechanischem Einzelbaumschutz. Darunter Schutzhülsen aus biologisch abbaubarem Kunststoff, spezielle Klebebänder und verschiedene Drahtvorrichtungen, die die kleinen Bäume schützen sollen. Außerdem gibt es verschiedene chemische Mittel, die durch ihren Geschmack und Geruch die Tiere fernhalten. Es gibt auch einige Hausmittel, die Wildtiere abschrecken sollen. Etwa ein Büschel Wolle, das um die oberste Knospe junger Bäume gewickelt wird. Natürlich muss dann regelmäßig kontrolliert werden, ob die Wolle nicht abgefallen ist. Und wenn die Knospe im Frühjahr treibt, ist der junge Trieb ungeschützt.

Alternative Nahrungsangebote

Den Wildtieren alternative Nahrungsangebote bereit zu stellen ist eine Methode, die häufig von Jägern angewendet wird. Denn Jäger müssen den Wildschaden oftmals ersetzen, wenn Eigentümer land- und forstwirtschaftlicher Flächen ihn anzeigen. Tatsächlich kann der Wildschaden durch alternative Nahrungsangebote teilweise reduziert werden. Konkrete Möglichkeiten dafür sind:

  • Wildäcker
  • Verbissgehölze
  • Notzeitenfütterung

Wildäcker sind schmale Streifen in Waldgebieten, auf denen Futterpflanzen für Wildtiere gepflanzt werden. Sie sollen den Tieren im Schutz des Waldes etwas zu fressen bieten. So müssen sie weniger auf Knospen und Rinde zurückgreifen. Neben Rehen, Hirschen und Wildschweinen, die Wildäcker aufsuchen, können auch andere Tiere wie Feldhasen und Rebhühner von Wildäckern profitieren.

Verbissgehölze sind kleinere Flächen, auf denen kleine Bäume und Sträucher gepflanzt werden, deren Knospen bei den Tieren besonders beliebt sind. Sie sollen dafür sorgen, dass die Tiere nicht die jungen Bäume verbeißen die in umliegenden Waldflächen einmal die neue Baumgeneration bilden sollen. Einen ähnlichen Effekt können einige Pionierbaumarten haben, wenn sie im Wald verteilt vorkommen. Pionierbaumarten, nennt man Baumarten, die sich schnell vermehren und weit verbreiten können, aber nicht besonders alt werden. Besonders die Vogelbeere schmeckt vielen Wildtieren gut, aber auch viele andere Bäume und Sträucher kommen in Frage.

Die Notzeitenfütterung, die gelegentlich von Jägern praktiziert wird, soll den Wildtieren besonders im Winter helfen, wenn die natürliche Nahrung von Schnee und Eis bedeckt ist. Dabei wird durch den Menschen Futter an speziellen Futterstellen angeboten. Notzeitenfütterungen sollten sich dabei wirklich nur auf Notzeiten beschränken und sachgemäß durchgeführt werden. Wenn das falsche Futter oder allgemein zu viel gefüttert wird, kann das die winterliche Ruhephase der Wildtiere stören und den Verbiss sogar noch steigern.

Alternative Nahrungsangebote können nur in einem begrenzten Maß Schäden vermeiden. Wenn es zu viele Rehe und Hirsche im Wald gibt, kommt man kurzfristig nicht um die zuvor erwähnten Schutzmaßnahmen herum. Für den Wald  hingegen ist die Regulierung der Wilddichte in der Regel langfristig die beste Alternative.

Eine sachgemäße Bejagung ermöglicht effektiven Waldbau - Wildschäden vermeiden im Wald
Eine sachgemäße Bejagung ermöglicht effektiven Waldbau.
© Photo von Nicolai Dürbaum

Regulierung der Wilddichte

Heute ist das Jagdrecht bei uns an das Eigentum von Grund und Boden gebunden und es herrscht das “Revierjagdsystem”. Eigentümer, die viel Grund und Boden ihr Eigen nennen, haben dabei eigene Jagdreviere. Kleinere Flächen werden entweder diesen “Eigenjagdrevieren” zugeordnet oder zu sogenannten “Gemeinschaftsjagdrevieren” zusammengefasst. In jedem Jagdrevier gibt es dann “Jagdausübungsberechtigte”. Das sind besonders geschulte Personen, die eine umfangreiche Jagdprüfung ablegen und einige andere Auflagen erfüllen müssen, um in einem Revier jagen zu dürfen. Informieren Sie sich hier über den Wald und die Jagd.

Wenn Ihr Wald groß genug ist, wird er automatisch zu einem Eigenjagdrevier. Wie groß der Wald dafür sein muss, hängt von dem Bundesland ab, in dem sich Ihr Wald befindet. In der Regel liegt die Mindestgröße für Eigenjagdreviere aber bei 75 oder 150 Hektar. Sie können das Jagdrevier an einen Jäger verpachten, dem Sie zutrauen, die Wildbestände sachgemäß und waldgerecht zu bejagen. Wenn Sie selbst die nötigen Qualifikationen erwerben, können Sie auch selbst in Ihrem Wald jagen.

Besitzen Sie nur eine kleine Fläche Wald, dann ist Ihr Wald vermutlich Teil eines Gemeinschaftsjagdreviers. Die Entscheidungen über die Jagd werden dann in der sogenannten Jagdgenossenschaft getroffen, in der Sie automatisch Mitglied sind. Ihr zuständiges Forstamt oder die Jagdbehörde kann Ihnen Auskunft darüber geben, in welcher Jagdgenossenschaft Sie Mitglied sind und an wen Sie sich wenden können.

Kontaktieren Sie Ihre Jagdgenossenschaft und nehmen Sie an den Jagdgenossenschaftssitzungen teil. So können Sie dafür werben, dass waldgerechte Wilddichten angestrebt werden und Ihr Wald entsprechend Ihrer Wünsche wachsen kann.

 

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